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Autochthone Gehölze

Die Verwendung gebietseigener (autochthoner) Herkünfte bei Gehölzpflanzungen außerhalb der Siedlungs- und Gewerbeflächen, der land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung wird 2020 allgemein verbindlich, doch sollen bereits jetzt „Gehölze und Saatgut vorzugsweise nur innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden“ (§ 40 Abs. 4 Nr. 4 Bundesnaturschutzgesetz). – „Sollen“ hat für die Behörden verpflichtenden Charakter.

In Bayern ist es längst üblich, dass bei behördlichen Maßnahmen autochthon begrünt und bei Genehmigungen und Förderprojekten autochthones Material vorgeschrieben wird. Die von einer interministeriellen Arbeitsgruppe mit Vertretern von Naturschutz, Wasserwirtschaft, Oberster Baubehörde, Land- und Forstwirtschaft (Ländliche Entwicklung, Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht) gemeinsam entwickelten Empfehlungen hierzu enthält das 2001 von Umweltministerium und Landesamt für Umwelt herausgegebene pdf Faltblatt „Autochthone Gehölze“ (pdf, 692 KB). Es gibt für Bayern 8 so genannte Herkunftsregionen vor. Für Pflanzmaßnahmen an einem bestimmten Ort soll Material verwendet werden, das von Wildherkünften aus der Herkunftsregion abstammt, in der der Ort liegt. – Bei Bäumen, die der Verordnung über Herkunftsgebiete für forstliches Vermehrungsgut unterliegen, wird auch Forstware als autochthon akzeptiert, die von Erntebeständen der betroffenen Herkunftsregion abstammt.

Auf der Basis der Arbeitsgruppen-Empfehlungen hat sich die Erzeugergemeinschaft für autochthone Baumschulerzeugnisse (EAB) etabliert, die für die Zertifizierung der Ware der Mitgliedsbetriebe sorgt und im Internet eine Liste des in den einzelnen Herkunftsregionen (dort „Wuchsgebiete“ genannt) verfügbaren Sortiments präsentiert.

2011 hat das Umweltbundesamt ohne Abstimmung mit den Länderexperten bzw. Rücksicht auf die in verschiedenen Bundesländern etablierten Lösungen einen „Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze“ herausgegeben, der Deutschland in nur 6 „Vorkommensgebiete“ einteilt. Diese nicht nur den bayerischen Konsens untergrabenden, sondern auch fachlich unqualifizierten Empfehlungen sind abzulehnen. Bei der Bestellung autochthoner Gehölze soll deshalb auf Herkünften aus den im Faltblatt „Autochthone Gehölze“ unterschiedenen 8 bayerischen Herkunftsregionen bestanden werden. – Sollte die Baumschulwirtschaft in Bayern ganz auf die Bundeslinie einschwenken, so ist die richtige Antwort darauf, alternative Begrünungsmöglichkeiten zu nutzen, speziell die Sukzession auf nacktem Boden (flacher Umbruch), ergänzt durch im Nahraum gewonnenes Saatgut, Steckholz und Wildlinge.

Beim Erstellen von Pflanzlisten besteht das Problem, dass nur ein Teil der Gehölze in ganz Niederbayern vorkommt. Es sind dies die Bäume Acer pseudoplatanus (Bergahorn), Alnus glutinosa (Schwarz-Erle), Betula pendula (Hängebirke), Fagus sylvatica (Rotbuche), Fraxinus excelsior (Esche), Pinus sylvestris (Waldkiefer), Populus tremula (Aspe, Zitterpappel), Prunus avium (Vogelkirsche), Quercus robur (Stieleiche), Salix caprea (Salweide) und Sorbus aucuparia (Eberesche) sowie die Sträucher Corylus avellana (Hasel), Crataegus laevigata (Zweigriffliger Weißdorn), C. monogyna (Eingriffliger Weißdorn), Frangula alnus (Faulbaum), Prunus spinosa (Schlehe), Salix aurita (Öhrchenweide), Sambucus nigra (Schwarzer Holunder), S. racemosa (Roter Holunder) und Viburnum opulus (Wasserschneeball).

Alle anderen Gehölze fehlen traditionell in größeren Teilen Niederbayerns, wie die Verbreitungskarten im Botanischen Informationsknoten Bayern zeigen (dort unter Gefäßpflanzen, dann „Steckbriefe, Abbildungen und Verbreitungskarten“). Sie naturwidrig auszubringen, bedeutet eine unzulässige Florenverfälschung und oft auch Kümmerwuchs und damit einen Misserfolg der Pflanzung. Um sowohl dem Planer als auch dem Kontrollierenden die Arbeit zu erleichtern, stellt die Regierung von Niederbayern daher Zug um Zug Listen ins Internet, die für die einzelnen Gemeinden die dort bodenständigen Wildgehölze enthalten und auch die einschlägigen Herkunftsregionen benennen.

 

Alphabetische Liste der mit Gehölzartenlisten versorgten niederbayerischen Gemeinden


Rahmenliste für autochthones Saat- und Pflanzgut von Gehölzen