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Autochthone Pflanzen

Berberitze LorenzBerberitze (Foto: Lorenz)

Kiefer ist nicht gleich Kiefer. Einmal entstanden, haben sich die einzelnen Pflanzenarten während tausender von Jahren auf oft große Gebiete mit unterschiedlichen Klima- und Bodenverhältnissen ausgebreitet und an diese angepasst: Sie erwarben dabei in den verschiedenen Landschaften eine voneinander abweichende, regionaltypische genetische Ausstattung; auch die Lage der eiszeitlichen Rückzugsgebiete, der Verlauf der Rückwanderung und Nutzungseinflüsse wie Mahd oder Beweidung prägten das Erbgut.

Die Kehrseite des Angepasstseins ist, dass für die in einem Gebiet seit langem lebenden Pflanzen genau die Lebensbedingungen günstig sind, die dort herrschen. In eine Gegend mit anderen Verhältnissen verbracht, haben sie oft Probleme. Bei unserem Baum hat das beispielsweise die Folge, dass eine ins Gebirge gepflanzte Flachlandkiefer dort infolge der an die Schneelasten nicht angepassten Wuchsform im Winter zusammenbricht. Der auf hohe Qualität bedachte Forstmann hält wegen der unterschiedlichen Anpassungen in Deutschland sogar 17 Herkunftsregionen für die Waldkiefer auseinander.

Werden bei Bepflanzungen oder Ansaaten fremde Herkünfte verwendet, besteht nicht nur das Risiko eines geringen Erfolgs. Fremdherkünfte haben oft andere Entwicklungszeiten (z. B. Blühzeitpunkte) oder Inhaltsstoff-Konzentrationen als die angestammten Wildpflanzen. Dies kann die Folge haben, dass die vielen, an bestimmte Pflanzen gebundenen, Organismen nicht zur richtigen Zeit und in der richtigen Beschaffenheit das bekommen, was sie benötigen. Überdies besteht die Gefahr, dass durch ein Überangebot fremden Materials die landschaftseigenen „Ökotypen“ verdrängt oder über Einkreuzung verändert und im Extremfall eliminiert werden. Im Internationale Übereinkommen von Rio de Janeiro zur Sicherung der biologischen Diversität hat sich auch Deutschland 1992 verpflichtet, die Vielfalt auf allen Ebenen zu bewahren – die innerartliche Vielfalt ausdrücklich eingschlossen. Mittlerweile enthält auch das Bundesnaturschutzgesetz entsprechende Regelungen.

Um allen diesen Aspekten Rechnung zu tragen ist es notwendig, zumindest in der freien Natur und außerhalb der Land- und Forstwirtschaft autochthones, d.h. "an Ort und Stelle entstandenes", also urwüchsiges, bzw. von örtlichen Herkünften abstammendes Saat- und Pflanzgutes zu verwenden. Optimal dafür ist Material aus der Gemeinde, in der die Pflanzen künftig leben sollen. Bei weit verbreiteten Arten sind aber oft ohne Risiko für die Natur erheblich größere Entfernungen zwischen Herkunfts- und Ausbringungsort möglich. Die naturräumlich abgegrenzten Räume, innerhalb derer eine solche Herkunftsgemeinschaft besteht, werden als Herkunftsregionen oder Ursprungsgebiete bezeichnet.

In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe haben die Bayerischen Staatsministerien für Umwelt und Gesundheit, für Landwirtschaft und Forsten sowie die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern Empfehlungen für die Verwendung autochthonen Saat- und Pflanzgutes erarbeitet. Schon 2001 wurde Bayern in Herkunftsregionen für Bäume und Sträucher eingeteilt (siehe pdf "Autochthone Gehölze - Verwendung bei Pflanzmaßnahmen" (pdf, 693 KB). Es handelt sich dabei um Naturraumkomplexe mit ähnlicher Vegetation.

Ein Problem bei den Gehölzen ist, dass für einen bestimmten Ort nie alle in Bayern beheimateten Arten in Frage kommen, sondern nur die Auswahl der dort traditionell lebenden. Die Regierung von Niederbayern hat deshalb begonnen, als Hilfe für die Erstellung von Pflanzlisten gemeindeweise die jeweils geeigneten Baum- und Straucharten zusammen zu stellen. Weitere Informationen dazu sowie die Gemeinde-Listen finden Sie auf der Seite "Autochthone Gehölze".

Seit 2008 bietet das Internetangebot des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz  umfangreiche Informationen zur Begrünung mit krautigen Pflanzen (Gräser und Kräuter) bis hin zu Rahmenlisten, die aufzeigen, in welchen Regionen welche Pflanzen allgemein verwendet werden können; der Blick auf die Artenausstattung einer Gemeinde erübrigt sich dabei.

Für autochthones Handelssaatgut gibt es neuerdings deutschlandweit das Produkt „Regiosaatgut“ bzw. „Erhaltungsmischungen“. Nähere Informationen bietet die Internetseite "Regiosaat- und Regiopflanzgut-Konzept".

Das Sachgebiet 51, Fachfragen des Naturschutzes, berät gerne bei Fragen naturgemäßer Begrünung. - Eine ausführlichere Darstellung des Themas gibt der Artikel pdf "Autochthone Begrünung: Grundsätzliches und Aktuelles" (pdf, 648 KB).

 

Rahmenliste für autochthones Saat- und Pflanzgut von krautigen Pflanzenarten, Klein- und Zwergsträuchern

 

Rahmenliste für autochthones Saat- und Pflanzgut für Grünland-Lebensräume (einschließlich kurzlebige Pionierarten und Waldsaumpflanzen)