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Neophyten / Neozoen

Springkraut PaulusSpringkraut (Foto: Paulus)

Neobiota – Neubürger unserer Pflanzen und Tierwelt

Seit die Menschen bei uns vor etwa 7000 Jahren zu Ackerbau und Viehzucht übergingen, schleppten sie mit Nutzpflanzen, Haustieren und Waren unbeabsichtigt andere Organismen mit ein, die sich zum Teil in der Natur etablieren konnten, beispielsweise unsere bunten Acker-Wildkräuter. Außerdem gelang es verschiedenen absichtlich ins Land geholten Zier- und Nutzpflanzen, zu verwildern.

Seit einem halben Jahrtausend, mit der Entdeckung Amerikas und immer weiter reichenden, immer leistungsfähigen Transportmitteln, ist die Zahl der im Zuge der Globalisierung zu uns gelangten Arten enorm angewachsen. Soweit diese heute bei uns auch wild leben, werden sie zur Unterscheidung von den ursprünglich vorhandenen (indigenen) und früh-eingebürgerten Lebewesen (Archäobiota) als Neobiota bezeichnet, genauer als neu-eingebürgerte Tiere (Neozoen), Pflanzen (Neophyten, Neochoren) und Pilze (Neomykota). – Betrachtet man nur die beständigen unter den Farn- und Blütenpflanzen Niederbayerns, so zählt bereits jede sechste zu den Neophyten.

 

Invasive Arten

Die meisten aus der Fremde gekommenen Arten machen uns keine Probleme. Sie haben sich unaufdringlich in unsere Natur integriert und oft bereichern sie diese und unser Leben. Beispiele dafür sind Gauklerblume, Fasan und Tintenfischpilz. Einige Neubürger unserer Lebewelt können sich unter unseren Verhältnissen aber anders als in ihren Herkunftsländern nahezu ungehemmt ausbreiten und dabei die angestammten Arten verdrängen oder zu anderen Beeinträchtigungen führen. Beispiele solcher „invasiver“ Arten sind

  • bis 4 m hohe Staudenknöteriche, die nahezu alle anderen Pflanzen erdrücken,
  • der besonders Kinder gefährdende ätzende Riesen-Bärenklau,
  • das für manchen zum Feindbild gewordene Indische Springkraut,
  • Späte Goldrute und Späte Traubenkirsche, die beide die Waldverjüngung oft erheblich erschweren,
  • die Schmalblättrige Wasserpest, die manches flache Gewässer in grüne Watte verwandelt,
  • das Kaktusmoos, das den Charakter von Küstendünen grundlegend verändert,
  • die Muscheln fressende und Ufer unterminierende Bisamratte,
  • Schwarzmeergrundeln und Körbchenmuscheln, die die Gewässer-Lebewelt in der Donau negativ beeinflussen
  • Signal- und Kamberkrebs, die Fluss- und Steinkrebs ersetzen
  • neuerdings der bei Massenauftreten lästige Asiatische Marienkäfer.

Nicht nur mit der Globalisierung, auch mit der Klimaerwärmung wachsen die Probleme mit invasiven Neobiota.

Eine „schwarze Liste“ problematischer Pflanzenarten finden Sie im Internetangebot "Botanischer Informationsknoten Bayern".

 

Vorsorge

Die Naturschutzbehörden haben den Auftrag, die weitere Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern (§ 40 Abs. 3 BNatSchG). Die zentrale Rolle spielen dabei aber die Privathaushalte, Firmen und Kommunen, denn:
Die meisten der Pflanzen und Tiere, die uns heute unangenehm beschäftigen, standen einst in Gärten, waren Nutztiere oder lebten in Aquarien. Wer auch heute nicht darauf verzichten möchte, kritische Arten zu kultivieren bzw. zu halten, trägt eine besondere Verantwortung. Besonders wichtig ist deshalb,

  • dass Gartenaushub, Garten- oder Landwirtschaftsabfälle nicht ins Gelände entsorgt werden. – Das Ablagern solcher Abfälle im Gelände ist auch abfallrechtlich verboten!
  • dass Pflanzen und Tiere aus Aquarien und Gartenteichen nicht in andere Gewässer eingebracht werden.
  • dass kein Erdreich in die Landschaft gelangt, das mit Samen oder Teilen invasiver Neopyhten kontaminiert ist.
  • dass Bau- oder Erntegeräte bzw. Harvester gründlich gereinigt werden, ehe sie nach einem Einsatz auf Flächen mit invasiven Neophyten neue Orte anfahren.
  • dass keine fremden oder aus der Fremde stammenden Pflanzen in der Natur „angesalbt“ bzw. Tiere ausgesetzt werden,
  • dass zumindest in der freien Landschaft konsequent autochthone Pflanzen verwendet werden.

Das SG 51, Fachfragen des Naturschutzes, der Regierung von Niederbayern berät gerne bei Problemen.
Spezielle Informationen zum Umgang mit invasiven Arten stehen im Internetangebot "FloraWeb".

 

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