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EU-LIFE-Projekt „Flusserlebnis Isar“

Projekt-Informationen

Stand: 18.12.15

Ausgangssituation

Life Isar
Bereits renaturierter Abschnitt der Isar
unterhalb der Staustufe Landau
(Foto: K. Leidorf/WWA Landshut).

Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Untere Isar zu Zwecken des Hochwasserschutzes, der Landgewinnung und Energieerzeugung erheblich verändert und in eine Kette von Stauseen umgewandelt. Dadurch sind heute die ökologischen Funktionen von Fluss und Aue erheblich eingeschränkt. Damit verbunden war der Verlust der natürlichen Auendynamik (wechselnde Wasserstände) und ein Absinken des Grundwasserspiegels. Reste von Flussdynamik sind heute nur noch unmittelbar unterhalb der Staustufen (in den noch verbliebenen Fließstrecken) zu finden. Der Flusslauf ist durch mehrere Staustufen unterbrochen und weder für Geschiebe noch für Gewässerorganismen durchgängig. Ehemals charakteristische Strukturen und Habitate wie flache Kiesufer und -inseln, Uferanbrüche, Nebenarme und Auegewässer sind verschwunden oder vergreist, und die charakteristische Lebewelt entsprechend verarmt. Der Fluss ist zudem für Fußgänger, Radfahrer und Erholungssuchende kaum noch zugänglich und nur noch sehr eingeschränkt erlebbar.

Um die ökologischen Defizite zu mildern, haben das Wasserwirtschaftsamt Landshut und die Regierung von Niederbayern (höhere Naturschutzbehörde) bei der Europäischen Union ein sogenanntes LIFE-Natur-Projekt beantragt. Seit Mitte Oktober liegt nun die offizielle Förderzusage der EU vor.

Stichwort „LIFE-Natur: Mit dem seit 1992 bestehenden Förderprogramm LIFE-Natur unterstützt die EU Maßnahmen zum Schutz der Natur. Das Programm hat vor allem die Aufgabe, die Umsetzung der Vogelschutz- und Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) voranzubringen und die Errichtung des Europäischen Schutzgebietsnetzes "Natura 2000" zu unterstützen. Es dient damit in erster Linie der Umsetzung von konkreten Naturschutzmaßnahmen in Fauna-Flora-Habitat- (kurz: FFH-) und EU-Vogelschutzgebieten.
Projektgebiet

Das Projektgebiet umfasst sieben Maßnahmenschwerpunkte im Unteren Isartal zwischen Loiching und Ettling (Landkreis Dingolfing-Landau) und erstreckt sich damit über eine Länge von insgesamt etwa 31 Flusskilometern. Die Gesamtfläche des Projektgebiets beträgt 604 ha.

Konkrete Ziele und Maßnahmen

Hauptziel des geplanten LIFE-Projekts ist es, die Isar durch umfangreiche Verbesserungen der Gewässerstruktur  (v. a. Uferrenaturierung und –redynamisierung) aufzuwerten. Dadurch sollen die Lebensbedingungen vor allem für aquatische und semi-aquatische Lebensräume (Auwälder, Auwiesen) und Arten (vor allem strömungsliebende und kieslaichende Fischarten wie Huchen, Schied, Barbe und Nase) entscheidend verbessert werden. Gleichzeitig soll aber auch der Erlebnis- und Erholungswert der Flusslandschaft gesteigert werden.

Dazu werden insbesondere folgende konkrete Ziele verfolgt:

  • Reaktivierung der Auen- und Fließgewässerdynamik und Verbesserung des Fließgewässerverbundes durch Förderung naturnaher Ufer- und Gewässerstrukturen an der Isar sowie Schaffung bzw. Optimierung von Umgehungsgerinnen.
  • Erhalt und Verbesserung von charakteristischen Auegewässern (Altwasser, Altarme, Flutmulden, temporäre Kleingewässer).
  • Entwicklung naturnaher Weich- und Hartholzauen, die als standortheimische, naturnahe Waldgesellschaften erhalten, entwickelt und ergänzt werden bzw. in einen naturnahen/natürlichen Zustand überführt werden sollen.
  • Erhalt, Optimierung und Ausweitung der auetypischen Magerstandorte (Brennen mit Magerrasen und Trockengebüschen, Extensivgrünland). Projektziel ist, einen möglichst durchgängigen Verbund an Trocken- und Magerstandorten aufzubauen.

Hierzu sollen folgende Maßnahmen im geplanten LIFE-Projekt umgesetzt werden:

Zur Vorbereitung der Maßnahmendurchführung zählen die EU-weite Ausschreibung des Projektmanagements und die Erstellung von Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanungen zu den gewässerökologischen Maßnahmen. Der größte Teil der Maßnahmenflächen ist bereits im Eigentum der Wasserwirtschaftsverwaltung; in geringem Umfang sollen zudem zur Arrondierung und Maßnahmenumsetzung Flächen angekauft werden.

Besonderes Merkmal des Projekts ist es, dass über zwei Drittel der veranschlagten Gesamtkosten für konkrete Naturschutzmaßnahmen investiert werden können, die auf Flächen im Besitz der öffentlichen Hand (v. a. der Wasserwirtschaftsverwaltung) umgesetzt werden können. Sie umfassen verschiedene Handlungsschwerpunkte:

  • Den wichtigsten Handlungsschwerpunkt bilden Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur der Isar, insbesondere:
    • Rückbau von Uferbefestigungen,
    • Neuschaffung strukturreicher Uferböschungen,
    • Entwicklung von Kiesufern, -bänken und –inseln,
    • Schaffung von naturnahen Uferstrukturen (Buhnen, Totholz),
    • Bau eines Fluss-Seitenarms,
    • Entwicklung naturnaher Umgehungsgerinne.
  • Ein zweiter Schwerpunkt umfasst Maßnahmen zur Neuschaffung und ökologischen Verbesserung von Auengewässern.
  • Den dritten Handlungsschwerpunkt bildet die Ausdehnung und Optimierung der Auwälder.
  • Ein vierter Handlungsschwerpunkt umfasst die Optimierung magerer Offenlandstandorte in der Aue.
  • Zusätzlich werden in allen Teilgebieten spezifische Artenschutzmaßnahmen umgesetzt.

Zusätzlich dazu sollen begleitende Maßnahmen wie Erfolgskontrollen und begleitende Öffentlichkeitsarbeit  (Bau- und Infotafeln, Informationsbroschüren, Film- und Fotomaterialien, Webseite und Einrichtung eines Naturlehrpfades) durchgeführt werden.

Organisation und Zeitplan

Die Projektleitung und -koordination des LIFE-Projekts wird vom Wasserwirtschaftsamt Landshut und der Regierung von Niederbayern/Sachgebiet Naturschutz (Höhere Naturschutzbehörde) gemeinsam übernommen. Die Federführung liegt beim Wasserwirtschaftsamt Landshut.

Weitere Projektpartner sind der Landkreis Dingolfing-Landau und die Städte Dingolfing und Landau.

In die Umsetzung sollen die betroffenen Fachstellen und -behörden, Kommunen, Verbände, Vereine und Institutionen als Unterstützer einbezogen werden.

Das Projekt hat eine Laufzeit von sieben Jahren (Oktober 2015 - Dezember 2022). Ein erster Maßnahmenschwerpunkt soll im Stadtbereich von Dingolfing liegen. Sofern die dazu erforderlichen Genehmigungsverfahren ohne Verzögerungen ablaufen, kann mit den ersten Renaturierungsmaßnahmen voraussichtlich im Herbst 2016 begonnen werden.

Kosten und Finanzierung

Die Gesamtkosten für das Projekt betragen rd. 6,36 Mio. €. Etwa 60 % davon werden als EU-Fördermittel über das LIFE-Programm bereitgestellt. Die übrigen 40% bringen das bayerische Umweltministerium, der Bayerische Naturschutzfonds und die beteiligten Projektpartner auf.

Ansprechpartner

Wasserwirtschaftsamt Landshut
Seligenthaler Str. 12, 84034 Landshut
Antje Uhl
Tel.: 08 71 / 85 28-1 52
E-Mail: poststelle@wwa-la.bayern.de

Regierung von Niederbayern - Sachgebiet 51 Naturschutz
Postfach, 84023 Landshut
Wolfgang Lorenz
Tel.: 08 71 / 8 08-18 35
E-Mail: Wolfgang.Lorenz@reg-nb.bayern.de