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Historische Kulturlandschaft

Kulturlandschaft HeckenHistorische Heckenlandschaft
bei Kreuzberg im Bayerischen Wald
(Foto: Lorenz)

Die Landschaften Niederbayerns sind geprägt durch unterschiedliche naturräumliche Gegebenheiten, aber auch die jahrhunderte lange menschliche Nutzung in Form von Besiedlung, Land- und Forstwirtschaft etc. Durch Nutzungsänderungen veränderte sich im Verlauf der Geschichte auch der Landschaftscharakter. Manche Zeitepochen haben menschliche Spuren in der Landschaft hinterlassen, die den Landschaftswandel überdauert haben. Diese Landschaften werden historische Kulturlandschaften genannt, da sie Zeugnis darüber ablegen, wie die Menschen in früheren Zeiten gelebt und gearbeitet haben.

Historische Kulturlandschaften sind geprägt von historischen Kulturlandschaftselementen. Im Bayerischen Wald fallen z. B. die mit Hecken bewachsenen Lesesteinriegel und Streuobstlandschaften auf. Relikte früherer Nutzung sind hier auch die Wässerwiesen, Triftkanäle und Schachten. Im Altmühltal prägen die Wacholderheiden mit auffallenden Fels- und Steinformationen die Landschaft. Kulturlandschaftselemente finden sich aber auch außerhalb großräumiger historischer Kulturlandschaften. So gibt es in den Fluss- und Bachtälern noch Kopfweiden, im Hügelland Hohlwege, Alleen, Hecken, Ackerraine und prägnante Einzelbäume.

Kulturlandschaft WacholderheideWacholderheide im Altmühltal
(Foto: VöF e.V.)

Diese historischen Kulturlandschaftselemente sind ebenso wertvolle Zeugnisse unserer Geschichte wie die Baudenkmäler, archäologische Funde oder Urkunden. Sie machen Regionen unverwechselbar, vermitteln damit Heimatgefühl und sind Grundlage eines hohen Erholungswertes der Landschaft. Sie stellen aber auch artenreiche und wertvolle Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt dar. Durch Nutzungsaufgabe ertragsschwacher und schwierig zu bewirtschaftender Flächen einerseits sowie durch Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, bauliche Entwicklung und Infrastrukturmaßnahmen andererseits verschwinden derartige Kulturlandschaftselemente immer mehr. Aufgabe von Naturschutz und Landschaftspflege ist daher auch die Erhaltung historischer Kulturlandschaften und Kulturlandschaftselemente, wofür von der Regierung von Niederbayern bzw. dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und der Europäischen Union erhebliche finanzielle Mittel über die einschlägigen Förderprogramme bereitgestellt werden. Zu den förderfähigen Maßnahmen zählen u. a. die Anlage von Hecken oder Streuobstbeständen, die Erhaltung bzw. Wiederherstellung von extensivem Grünland durch Entbuschung, Mahd oder Beweidung sowie die Freistellung von verbuschten Wacholderheiden und Heckenlandschaften.

 

Beispiel: Kulturlandschaft Bischofsreuter Waldhufen, Bayerischer Wald

Kulturlandschaft WaldhufenBischofsreuter Waldhufen

Die unterschiedlichen Flur- und Dorfformen sind Ausdruck der Besiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte einer Landschaft und damit Teil des kulturhistorischen Erbes. So sind die Waldhufenfluren im Bayerischen Wald ein Zeugnis der Rodungsperiode im 17. und 18. Jahrhundert. Entlang des „Goldenen Steigs“ (einer Handelsstraße, die seit dem Mittelalter Passau und Böhmen verbindet) wurden planmäßige Siedlungen errichtet: Jede Siedlerfamilie bekam ein langgestrecktes Grundstück (eine sog. „Waldhufe“), das sie urbar machte und auf dem sie nahe des Steigs ein einfaches Holzhaus errichtete. Im Raum Bischofsreut ist die Grundstruktur einiger Waldhufendörfer mit ihren Waldhufenfluren noch erhalten. Die alte Flureinteilung ist deutlich ablesbar durch die an den Grenzen der Flurstücke stehenden Hecken, die sich auf Lesesteinriegeln entwickelt haben.

Kulturlandschaft Waldhufen LuftbildLuftbild: Bischofsreuter Waldhufen

Das Projekt „KulturLandschaftsMuseum Grenzerfahrung“ der Gemeinde Haidmühle, das von der Regierung von Niederbayern finanziell gefördert wird, ist ein BayernNetzNatur-Projekt zum Erhalt der Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen an der bayerisch-tschechischen Grenze. Das Gebiet besitzt aufgrund der Vielfalt an Lebensräumen, gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und der gut ablesbaren historischen Flurformen eine herausragende naturschutzfachliche Bedeutung. Neben der Erhaltung der Kulturlandschaft durch klassische Landschaftspflege-Maßnahmen wie z. B. Entbuschung von Magerrasen und Mooren, die Freistellung verbuschter Heckenriegel, die Renaturierung entwässerter Moore sowie die dauerhafte Mahd oder Beweidung naturschutzfachlich wertvollen Mager- und Feuchtwiesen, wurden vor Ort mehrere interaktive Museumssteige eingerichtet, die zu den Höhepunkten der Bischofsreuter Waldhufen führen und diese erläutern. Zusätzlich gibt es ein Faltblatt, das einladen soll, auf Entdeckungsreise in der historischen Kulturlandschaft zu gehen.

 

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