. .

Naturausstattung Niederbayerns - Überblick

Niederbayerns Landschaften sind vielfältig und oft auch attraktiv. Das wissen nicht nur die Niederbayern selbst, das bestätigen auch mehr als 2,5 Millionen Feriengäste und Touristen, die den Bezirk alljährlich besuchen. Sie konzentrieren sich, wo Niederbayern am schönsten und die Natur noch relativ intakt ist. Oft sind dies Gebiete mit einem hohen Anteil an wertvollen Lebensräumen und einer großen Artenvielfalt.

Dazu gehören zum Beispiel weite Teile des Bayerischen Waldes. Ausgedehnte und oft noch naturnahe Bergwälder sind sein Markenzeichen. Typisch sind aber auch blütenreiche Berg- und Feuchtwiesen, Hochmoore und Heidereste sowie die vielen klaren, nahezu ungestörten Bäche. Der Große Arber – der König des Bayerischen Waldes – ist mit 1456 m der höchste Berg Bayerns außerhalb der Alpen. Ein Teil des Bayerischen Waldes wurde 1970 als erster Nationalpark Deutschlands unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ unter Schutz gestellt. Zusammen mit dem tschechischen Nationalpark Šumava bildet er das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Auf Grund der Größe und relativen Unzerschnittenheit bieten die Wälder des Bayerischen Waldes auch anspruchsvollen Arten wie Luchs und Auerhuhn Lebensraum.

Ganz anders die Frankenalb: Hier fällt nur halb so viel Regen und Schnee wie im Bayerischen Wald. Entsprechend häufiger sind an Trockenheit angepasste Lebensräume, z. B. die typischen Wacholderheiden entlang der Altmühl oder die Felsformationen in der Weltenburger Enge bei Kelheim. Trocken ist auch die Gegend um Abensberg. Im Windschatten der Alb lagerten Stürme vor Jahrtausenden mächtige Sandschichten ab. Kiefernbewachsene Dünenfelder mit Resten offener Sanddünen prägen hier die Landschaft. Auch die Niedermoore im Isartal oder die Auen der Donau sind reich an Arten und Lebensräumen.

Selbst in der Hallertau – dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt – an dem Niederbayern ganz im Westen Anteil hat und im Gäuboden (Dungau) – der bayerischen Kornkammer – sind noch Reste wertvoller Biotope zu finden.

Flüsse, Bäche und ihre Auen prägen Niederbayern in ganz besonderem Maß. Das gilt vor allem für die Donau, die Niederbayern von Neustadt im Westen bis Passau im Osten durch fließt. Auf über 150 km Länge begleiten sie dabei die verschiedensten Landschaftstypen: enge „Durchbruchstäler“ wie in der Weltenburger Enge, weite Auen wie bei Straubing und steile Hänge wie bei Obernzell nahe der Grenze zu Österreich. Dieser Reichtum ist Lebensgrundlage für viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Besonders typisch sind einige „Stromtalarten“ wie der Kantenlauch, das Hohe Veilchen oder der Hühnerbiss, deren Vorkommen auf die großen Flusstäler beschränkt sind.

Auch das Isartal hat eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt in Niederbayern. Zu seinen Besonderheiten zählen großflächige Niedermoore wie das Grießenbacher, das Königsauer und das Wallersdorfer Moos. Hier leben Brachvogel, Bekassine, Kiebitz und andere „Wiesenbrüter“. Auf Flussschotterheiden wie der Rosenau kommen sogar Steppenpflanzen vor, so Purpur-Schwarzwurzel, Federgras und Graue Skabiose. Die „Isarmündung“ schließlich ist einer der größten und vielgestaltigsten Auenkomplexe Bayerns.

Und selbst die Stauräume am Unteren Inn haben sich im Laufe der Zeit zu einem Schwerpunkt der biologischen Vielfalt entwickelt: Hier rasten und überwintern Tausende Wasservögel. Von den mehr als 300 nachgewiesenen Vogelarten sind mehr als 150 Brutvögel.

Bayernweit einmalig sind auch die zahlreichen naturnahen Bäche des Bayerischen Waldes und die wenig verbauten Flüsse Ilz und Schwarzer Regen. Durch die fast durchweg gute Gewässerqualität und -struktur und durch die Ruhe und Abgeschiedenheit mancher Talabschnitte kann man hier noch so seltene Arten wie Flussperlmuschel, Fischotter und Huchen finden.

Im überwiegend landwirtschaftlich geprägten Hügelland im Südwesten und Süden Niederbayerns gibt es weitläufige Wiesen-Auen mit Feuchtwiesen, zum Beispiel an der Vils, die unterhalb von Vilsbiburg große Mäanderschlingen bildet, der Kleinen Laaber und der Großen Laber oder der Abens. Hier konzentrieren sich die niederbayerischen Vorkommen des Weißstorchs.

Naturraum GliederungKarte der Naturraum-Einheiten nach Meynen/Schmithüsen et al.

 

Naturräume in Niederbayern

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Naturräumen in Niederbayern finden Sie unter den nachfolgenden Links (Quelle: Landschaftssteckbriefe des BfN)

 

Schutzgebiete

Schutzgebiete sind ein unverzichtbarer Baustein für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Hier hat die Natur Vorrang vor anderen Ansprüchen. Das gilt vor allem für Naturschutzgebiete und Nationalparks. In Niederbayern gibt es daneben noch zwei Naturparke: den Naturpark Bayerischer Wald und den Naturpark Altmühltal. In diesen Gebieten stehen naturnahe Erholung, nachhaltiger Tourismus sowie die Sicherung des Landschaftsbildes und gewachsener Kulturlandschaften im Vordergrund. Mit einer Gesamtfläche von 2240 km² entfallen 22 % der Fläche Niederbayerns auf diese Schutzkategorie. Geschützte Landschaftsbestandteile und Naturdenkmäler sind kleinflächige Schutzgebiete oder Einzelschöpfungen der Natur wie zum Beispiel die „Steinere Rinne“ bei Usterling im Isartal – ein Kalktuffgebilde – oder die 800jährige Linde bei Jacking im Landkreis Passau.

92 niederbayerische Gebiete sind schließlich als FFH- oder EU-Vogelschutzgebiete Teil des europäischen Netzwerks NATURA 2000.

Insgesamt unterliegen 28 % der Fläche Niederbayerns einem gesetzlichen Schutz. Einzelne Schutzgebietskategorien können sich dabei überlagern.

Zahlen und Fakten
Schutzgebietskategorie Anzahl Fläche
Nationalpark Bayerischer Wald 1 24.222 ha
Naturschutzgebiete 62 7.298,27 ha
Naturpark Altmühltal 1 296.617 ha (davon 20.206 ha in Ndb.)
Naturpark Bayerischer Wald 1 278.272 ha
Landschaftsschutzgebiete 62 224.459 ha
Natura-2000-Gebiete 92 rd. 68.000 ha

 

Naturraum SchutzgebieteSchutzgebiete in Niederbayern

 

Biotopverbundachsen

Biotopverbundachsen, die einen Austausch zwischen den Tier- und Pflanzenpopulationen ermöglichen, verknüpfen die Schwerpunkte der biologischen Vielfalt. So werden die Landschaften der Donauniederung durch Inn- und Isartal mit dem Alpenraum und durch das Ilztal mit dem Hinteren Bayerischen Wald verbunden. Das Donautal schließlich hat über sieben Staaten Mittel- und Osteuropas hinweg bis zum Schwarzen Meer internationale Bedeutung als Biotopverbundachse.

 

Kostbarkeiten der Niederbayerischen Natur

 

Böhmischer Enzian – weltweit einmalig

Einige Pflanzen- und Tierarten kommen auf der ganzen Welt (fast) ausschließlich in Bayern oder gar nur in Niederbayern vor. Für die Erhaltung dieser „Endemiten“ besteht eine ganz besondere Verantwortung. Mindestens 54 Pflanzenarten zählen dazu, darunter der Böhmische Enzian, der nur auf sauren Magerrasen in der bayerisch-böhmischen Grenzregion zu finden ist. Die Art ist inzwischen so selten, dass sie nur durch aufwändige Pflegemaßnahmen erhalten werden kann.

Schellenblume – die letzten ihrer Art

Die Schellenblume oder Becherglocke kommt in ganz Deutschland nur noch in Niederbayern vor. Im unteren Isartal existieren noch zwei Vorkommen in lichten Auwäldern und an deren Rändern. Störungen im Wasserhaushalt und die fehlende Auendynamik haben fast zur Ausrottung geführt. Durch gezielte Maßnahmen, zum Beispiel die Auslichtung von Wäldern konnte die Bestandssituation wesentlich verbessert werden.

Holunder-Knabenkraut – magersüchtiger Bergbewohner

Ursprünglich war das Holunder-Knabenkraut auf mageren Bergwiesen Deutschlands nicht selten. Nutzungsaufgabe einerseits und Intensivierung der Nutzung andererseits haben zu einem gravierenden Bestandseinbruch geführt. Die größten bayerischen Bestände sind im Vorderen Bayerischen Wald zu finden. Durch gezielte Pflegemaßnahmen an den Wuchsorten und den Abschluss von Bewirtschaftungsverträgen wird versucht, die Bestände zu halten und wenn möglich wieder auszudehnen.

Frühlings-Küchenschelle – Relikt aus der Eiszeit

Auch die Frühlings-Küchenschelle ist in Deutschland außerhalb von Bayern inzwischen ausgestorben. In der Eiszeit und Nacheiszeit war die Art vermutlich weit verbreitet, kommt außerhalb der Zentralalpen inzwischen aber nur noch auf Sonderstandorten, z. B. sandigen Magerrasen oder sehr lichten Kiefernwäldern vor. Ein Mix verschiedener Maßnahmen bis hin zur künstlichen Nachzucht hat zumindest erreicht, dass sich die noch verbliebenen Bestände stabilisiert haben.

Violetter Feuerfalter – er liebt Saures

Die Raupen des Violetten Feuerfalters fressen ausschließlich an Kleinem und Großem Sauerampfer. Dabei sind sie sehr wählerisch: nur sehr offene, vegetations- und kalkarme Standorte werden besiedelt. Die Art kann nur dort langfristig überleben, wo durch dynamische Prozesse immer wieder offene „Störstellen“ entstehen. Durch die Mahd oder Beweidung verbrachter Flächen und die Neuanlage von offenen Bodenstellen zum Beispiel an Straßenböschungen wird versucht, die Bestände des Feuerfalters in Niederbayern zu stützen.

Flussperlmuschel – älter als Methusalem

Die Flussperlmuschel lebt in extrem nährstoffarmen Bächen und kann mehr als 100 Jahre alt werden. Sie reagiert sehr empfindlich schon auf kleinste Verschmutzungen der Gewässer. Mehr als 90 % der deutschen Vorkommen sind in den Grenzgebirgen Ostbayerns zu finden, die meisten davon liegen in Niederbayern. Mit hohem Aufwand wird versucht, die letzten Muscheln zu retten: durch Nachzuchten, die Anlage von Pufferstreifen, den Bau von Sedimentfängen oder den Umbau von Fichtenforsten in naturnahe Wälder.

Birkhuhn – Grenzgänger im Bayerischen Wald

Bis in die 1970er Jahre war das Birkhuhn im Bayerischen Wald noch weit verbreitet. Lebensraumkomplexe aus Magerrasen, Bergwiesen und Mooren boten ideale Lebensbedingungen. Durch Verbrachung, Aufforstung und Trockenlegung von Feuchtgebieten gingen geeignete Lebensräume verloren. Nur bei Bischofsreuth hat sich eine kleine Population halten können. Eine Allianz aus Naturschützern, Jägern und Forstleuten arbeitet an einer Verbesserung der Lebensräume: Moore wurden renaturiert und Fichtenforste beseitigt.

Luchs – geheimnisvolle Waldkatze

Der Luchs ist die größte einheimische Katzen-Art. Er benötigt vor allem drei Dinge: viel Raum, ausreichend Beute und die Toleranz durch den Menschen. In den vergangenen Jahrhunderten wurde er als Nahrungskonkurrent gnadenlos verfolgt und gejagt. Der letzte bayerische Luchs wurde schließlich 1846 bei Zwiesel erlegt. Inzwischen leben in Ostbayern wieder einige Tiere. Wichtigste Aufgabe im Artenhilfsprogramm Luchs ist der Dialog mit allen betroffenen Bevölkerungsgruppen, vor allem mit Jägern und Nutztierhaltern.

 

Weitere Informationen