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Pressemitteilung 439/2014

19.12.2014 - 439/2014
Niederbayern / Gesellschaft
Weihnachts- und Neujahrsgrußwort von Regierungspräsident Heinz Grunwald

RP Heinz GrunwaldHeinz Grunwald
Regierungspräsident

Liebe Niederbayern,

ein bisschen ist es wie in der Nachkriegszeit – wieder einmal helfen Niederbayern den Münchnern aus einer Notsituation. Damals sind Maurer, Schreiner und Zimmerer nach München gezogen, um die zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Heute hilft ganz Niederbayern, dass die bayerische Hauptstadt nicht im Asyl-Chaos versinkt, dass Menschen, die bei uns Asylbeantragen, nicht auf der Straße übernachten müssen. Hier ein leer stehendes Krankenhaus, dort eine nicht mehr genutzte Feriensiedlung – Niederbayern bietet München viel von dem, was dort Mangelware ist.

Die meisten Unterkunfts-Angebote an Gemeinden, Landratsämter und an die Regierung sind seriös. Aber ein paar schwarze Schafe gibt es auch unter den Anbietern in diesem Bereich. Und darüber berichten dann leider auch die Medien. Kaum eine Notiz gibt es von der Kommune, die selbst ein nicht mehr benötigtes Krankenhaus kauft, um es als Unterkunft für Asylbewerber zu nutzen. Aber viele berichten von Kommunen, die sich mit allen Mitteln dagegen wehren, dass Asylbewerber bei ihnen wohnen dürfen. Und dann gibt es eben die negativen Schlagzeilen über Menschen, die mit Not-UnterkünftenSpekulationsgeschäfte betreiben.

Ja, manchmal waren wir in der Vergangenheit gezwungen, auch teure Angebote für kurze Zeit zu nutzen – immer dann, wenn wir nur wenige Tage Zeit hatten, um uns auf die Ankunft neuer Asylbewerber vorzubereiten. Inzwischen aber gibt es überall in Niederbayern seröse Angebote, die wir auch dann nutzen können, wenn wieder von einem Tag auf den anderen eine Unterkunft gefunden werden muss. Im sogenannten Winterplan haben alle Landratsämter und kreisfreien Städte Unterkünfte gelistet, die in Notsituationen genutzt werden können.

Ob es wirklich ein Stall war, in dem Maria und Josef vor 2000 Jahren Obdach gefunden haben, weiß bis heute niemand so genau. Aber eine tolle Unterkunfthat man der fremden Schwangeren und ihrem Verlobten bestimmt nicht angeboten. Wir wissen auch nicht, ob und wie viel Miete die beiden für die Unterkunft bezahlen mussten. Vielleicht einen Wucherpreis für eine karge, aber warme Stube kurz vor der Entbindung?

Hauptsache, ein Dach über dem Kopf. Und eine funktionierende Heizung – jedenfalls im Winter. Das war und ist bis heute wichtig. Dafür sorgt der Staat, das kann und will er allen Menschen bieten, die bei uns einen Asylantrag stellen. Und dann fördert er auch Sozialarbeiter, die sich um diese Menschen kümmern. Richtig gut wird es überall in der Asylbetreuung dort, wo sich darüber hinaus Menschen finden, die sich Zeit nehmen für die fremden Nachbarn, die den Fremden etwas von dem zeigen und erklären, was inNiederbayern Brauch und Sitte ist.

Dann sagen die Fremden nicht länger hey, hallo und ciao und tschüss, sondern griaß di, griaß eana, pfiat di und pfiat eana, wenn sie Einheimischen auf der Straße begegnen. Sind die ersten Sprachhürden erst genommen, dann dürfen die Fremden auch mitspielen im örtlichen Fußballverein oder in der Theatergruppe, wie es an vielen Orten in Niederbayern längst der Fall ist. Und dann berichten die Medien auch darüber – und Niederbayern bekommt den guten Ruf in der Welt, den es verdient hat: den Ruf als heimatbewusst und weltoffen zugleich.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr.

 

RP Unterschrift

Heinz Grunwald
Regierungspräsident